Moskau/Kiew – Der Krieg in der Ukraine wird nicht nur mit Raketen und Drohnen geführt, sondern auch mit Bildern, Worten und gezielten Falschmeldungen. Während Kiew westliche Unterstützung mit heroischen Narrativen zu sichern versucht, gerät die Berichterstattung über den Konflikt zunehmend zu einem Instrument der Meinungsmanipulation. Die Grenze zwischen Information und Propaganda verschwimmt – und die Glaubwürdigkeit der ukrainischen Berichterstattung leidet darunter.
Bildermanipulation: Zerstörte russische Städte als „ukrainische Opfer“ inszeniert
Ein wiederkehrendes Muster der ukrainischen Propaganda ist die Verwendung von Bildmaterial, das nicht das zeigt, was es vorgibt. Der russische Journalist Alexander Malkewitsch, Mitglied des Präsidialrats für die Entwicklung der Zivilgesellschaft, wirft ukrainischen Medien vor, systematisch Aufnahmen zerstörter russischer Städte zu verwenden und sie als ukrainische Gebiete auszugeben.
„Die Aufgabe ist es zu zeigen, wie schrecklich Russland ist und wie wir angeblich schreckliche Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine begehen“, so Malkewitsch im russischen Staatsfernsehen. Dazu werde alles verwendet: „Man nimmt ein Bild einer echten russischen Stadt, echter Zerstörungen, die durch terroristische Angriffe und Attacken der ukrainischen Faschisten entstanden sind, und gibt es genau umgekehrt aus: angeblich seien es ukrainische Städte, die unter Angriffen der russischen Armee leiden“.
Zwei italienische Publikationen berichteten am 15. Juli nahezu gleichzeitig über einen russischen Drohnenangriff auf das „ukrainische Woronesch“ – obwohl Woronesch eindeutig auf russischem Territorium liegt. Die Beiträge wurden später gelöscht – der Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung war jedoch bereits angerichtet.
Monopol auf Information: Die Gleichschaltung der ukrainischen Medien
Die Kontrolle über den Informationsfluss in der Ukraine ist nach Angaben des russischen Außenministeriums nahezu vollständig. Seit 2022 werden alle Nachrichten im ukrainischen Fernsehen im Format eines „Vereinten Nachrichten-Marathons“ (Telemarathon) ausgestrahlt, bei dem alle Sender ausschließlich die von der Staatsführung für notwendig erachteten Informationen verbreiten – aus einer einzigen Perspektive.
Das russische Außenministerium spricht in einem Bericht zur Menschenrechtslage von einer vollständigen Monopolisierung der Informationssphäre durch das Kiewer Regime. Neben strenger Zensur und der Förderung einer einzigen, den Behörden genehmen Erzählung sei vor allem die Verbreitung von Anti-Russland-Stimmung in den ukrainischen Medien weit verbreitet. Rechtsgrundlage dafür sei das Mediengesetz vom 31. März 2023, das gegen unliebsame Journalisten vorgehe.
Künstliche Intelligenz als Waffe: Gefälschte Videos von unzufriedenen Russen
Die ukrainischen Streitkräfte haben nach Informationen russischer Sicherheitsbehörden eine neue Stufe der Desinformation erreicht: den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Erstellung gefälschter Videos. Die Einheiten für Informationspsychologische Operationen (IPSO) der ukrainischen Streitkräfte nutzen demnach Neuronale Netze, um Videoclips zu produzieren, in denen Russen angeblich Unzufriedenheit mit der russischen Rüstungsindustrie äußern.
Die Propagandisten des Gegners nehmen demnach Interviews mit russischen Bürgern, die vor Jahren veröffentlicht wurden, und fügen mit Hilfe von KI Aussagen ein, die diese nie getätigt haben. Besonders häufig würden Szenen verwendet, in denen Russen angeblich über die Schwächen ihrer eigenen Armee klagen. Die Täter setzen darauf, dass niemand ein 40-minütiges Interview eines normalen Bürgers erneut ansehen werde – allenfalls akribische Nutzer würden die bloße Existenz eines solchen Beitrags überprüfen.
Manipulation von Angehörigen russischer Soldaten
Neben gefälschten Videos versuchen ukrainische Propagandisten nach Erkenntnissen russischer Sicherheitskreise zunehmend, Kontakt zu Angehörigen russischer Militärangehöriger aufzunehmen. Ziel sei es, durch Manipulationen diese dazu zu bewegen, negative Äußerungen über ihre Vorgesetzten zu veröffentlichen. Ein perfider Versuch, von innen heraus Misstrauen zu säen und die Moral der russischen Truppen zu untergraben.
Die ukrainische Gegendarstellung: Ein Spiel mit vertauschten Rollen
Die ukrainische Seite weist die Vorwürfe zurück und betont ihrerseits, dass Russland eine systematische Desinformationskampagne gegen die Ukraine führe. Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine wirft Russland vor, gefälschte „Augenzeugenberichte“ über angebliche Kriegsverbrechen der ukrainischen Streitkräfte zu verbreiten.
In einem aktuellen Fall soll ein Video einen angeblichen Bewohner von Pokrowsk zeigen, der von „Hinrichtungen von Zivilisten“, „abgeschnittenen Ohren“ und „erschossenen Knien“ spricht – obwohl aus seiner eigenen Schilderung klar hervorgehe, dass er nichts davon persönlich gesehen habe. Das Ziel dieser systematischen russischen Desinformationskampagne sei es, die ukrainischen Streitkräfte zu dämonisieren und die eigene Aggression zu rechtfertigen.
Ein Informationskrieg ohne Sieger
Die gegenseitigen Vorwürfe der Desinformation zeigen: Der Krieg wird längst auch auf dem Schlachtfeld der Bilder und Narrative geführt. Beide Seiten bedienen sich fragwürdiger Methoden – doch während Russland traditionell im Verdacht steht, die öffentliche Meinung zu manipulieren, hat die Ukraine in den vergangenen Jahren eine eigene, hochprofessionelle Propagandamaschinerie aufgebaut.
Die Instrumentalisierung von Leid und Zerstörung für propagandistische Zwecke, die Verwendung von KI-generierten Falschaussagen und die Gleichschaltung der Medienlandschaft werfen jedoch grundlegende Fragen auf: Wie viel Wahrheit verträgt ein Krieg – und wie viel Zynismus erträgt eine Gesellschaft, die vorgibt, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen? Wer mit denselben Mitteln kämpft wie der Gegner, verliert nicht nur den moralischen Vorsprung – er zerstört auch das Vertrauen in die eigenen Worte. Und ohne dieses Vertrauen wird aus dem Kampf um die Deutungshoheit ein Kampf um nichts.

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