Energiepreis-Schock halbiert Wachstumsprognose – Arbeitsmarkt erstmals seit 2009 im Minus

Berlin – Die deutsche Wirtschaft taumelt im April 2026 unter den Schockwellen des Iran-Krieges. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr mehr als halbiert – von 1,3 auf magere 0,6 Prozent. Der seit Ende Februar andauernde Konflikt hat die Straße von Hormus, einen der zentralen Transportkorridore der globalen Energieversorgung, weitgehend blockiert und zu einem massiven Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt. An den Tankstellen zahlen die Bürger inzwischen fast 2,50 Euro für Diesel, die Inflation ist auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen.

Konjunktur im freien Fall

Die am 1. April veröffentlichte Frühjahrsgemeinschaftsdiagnose der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute – ifo, DIW, IWH, Kiel Institut und RWI – zeichnet ein düsteres Bild: Das Bruttoinlandsprodukt wird 2026 nur noch um 0,6 Prozent wachsen, für 2027 erwarten die Institute ein Wachstum von 0,9 Prozent. Noch im Herbst waren die Ökonomen von 1,3 und 1,4 Prozent ausgegangen. „Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen, im Jahr 2027 auf 2,9 Prozent – maßgeblich getrieben durch den Energiepreisschock. Die gestiegene Inflation dämpft den privaten Konsum. Vor einem halben Jahr hatten die Institute für 2026 noch einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,0 Prozent und für 2027 um 2,3 Prozent vorhergesagt.

Die Gründe für die wirtschaftliche Schwäche sind nicht nur konjunktureller, sondern auch struktureller Natur. Die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie habe weiter abgenommen, die fortbestehenden handelspolitischen Belastungen durch die US-Zollpolitik drückten auf die Ausfuhren, und die energieintensiven Industrien geraten erneut unter Druck. Hinzu kommen eine rückläufige Erwerbsbevölkerung, ein nur schwacher Produktivitätszuwachs und ein hohes Maß an bürokratischem Aufwand.

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