Die Eskalation im Nahen Osten trifft die deutsche Wirtschaft in einer denkbar ungünstigen Phase. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte eindringlich vor einem neuen Energieschock. „Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt“, sagte Grimm dem RedaktionsNetzwerk Deutschland .
Die Lage ist brisant: Durch die Straße von Hormus verlaufen rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte. Sollte die Meerenge faktisch gesperrt bleiben, halten Analysten einen Ölpreis von über 100 Dollar für möglich. Die Gaspreise sind zuletzt bereits auf über 40 Euro gestiegen . Besonders betroffen wären energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier. „Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit“, warnte Grimm .
Erste Auswirkungen sind bereits spürbar: Die Spritpreise in Deutschland ziehen an, Diesel hat E10 beim Preis überholt . Die Aktienmärkte reagieren nervös, die Konjunktursorgen wachsen. Grimm forderte, Europas Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen – durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung .
Arbeitsmarkt: Teilzeit auf Rekordniveau
Unabhängig von der aktuellen Krise zeigt der deutsche Arbeitsmarkt eine strukturelle Verschiebung. Wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitteilte, hat die Teilzeitbeschäftigung 2025 einen Höchststand erreicht.
Die Zahl der in Teilzeit Beschäftigten stieg im Vergleich zu 2024 um 1 Prozent auf 16,88 Millionen. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ging dagegen um 0,6 Prozent auf 25,43 Millionen zurück. Die Teilzeitquote erhöhte sich damit auf 39,9 Prozent – laut IAB ein Höchststand bei den Jahreswerten .
Ein Grund dafür ist laut IAB, dass die Beschäftigung in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil, wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, zugenommen hat. In Branchen mit einem hohen Vollzeitanteil wie der Industrie ging sie gleichzeitig zurück. „Teilzeit war bisher kein Verlustgeschäft. Dennoch gibt es hier noch viel zu gewinnen, vor allem bei einer stärkeren beruflichen Entwicklung von Frauen“, erläuterte IAB-Experte Enzo Weber .
Das gesamte Arbeitsvolumen sank 2025 leicht um 0,2 Prozent auf etwa 61,26 Milliarden Stunden. CDU-Politiker fordern seit Monaten, dass die Menschen in Deutschland mehr arbeiten sollten; die Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU/CSU hatte den Rechtsanspruch auf Teilzeit zuletzt teilweise infrage gestellt .

