Konjunkturhoffnung, Koalitionsstreit und der schwierige Kurs in die Zukunft

Berlin – Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Lebenszeichen, doch die politischen Baustellen bleiben gewaltig. Während Ifo-Index und Auftragseingänge auf eine allmähliche Belebung hoffen lassen, ringt die schwarz-rote Koalition um die Ausrichtung in der Klimapolitik, die Union sortiert sich nach ihrem Parteitag neu, und Kanzler Friedrich Merz wirbt in China um wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ein Überblick über die Lage der Republik.

Konjunktur: „Die deutsche Wirtschaft berappelt sich langsam“

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellt sich auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste Barometer für die Konjunktur, stieg im Februar 2026 um 1,0 auf 88,6 Punkte – den höchsten Stand seit August des Vorjahres . „Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Entwicklung. Besonders in der Industrie, bei den Dienstleistern und am Bau verbesserte sich das Geschäftsklima . Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe ergänzte zwar vorsichtig: „Der Stimmungsaufschwung ist noch nicht in der Breite angekommen“, konstatierte aber: „Die deutsche Wirtschaft berappelt sich langsam“ .

Diese verbesserte Stimmung wird durch harte Daten untermauert. Wie das Bundeswirtschaftsministerium in seinem aktuellen Monatsbericht mitteilt, legten die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Dezember mit +7,8 Prozent deutlich zu – getrieben vor allem von inländischen Großaufträgen . Auch die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel stiegen im Dezember um 0,8 Prozent . Die Wirtschaftsleistung hatte bereits im vierten Quartal 2025 um 0,3 Prozent zugelegt – etwas mehr als zunächst geschätzt .

Die Inflation bewegte sich im Januar mit 2,1 Prozent weiterhin nahe der Zielmarke der Europäischen Zentralbank . Der Arbeitsmarkt zeigt sich zwar stabil, aber ohne große Dynamik: Die Zahl der Erwerbstätigen verzeichnete im Dezember einen leichten Rückgang, und angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels bleibt die Beschäftigungsentwicklung gedämpft .

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht dennoch Grund zu vorsichtigem Optimismus. Vor allem von der zunehmenden Nachfrage im Zuge der Beschaffungen im Verteidigungsbereich sowie des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität dürften im weiteren Jahresverlauf wesentliche Impulse ausgehen .

Außenpolitik: Merz in China – Wirtschaft vor Menschenrechten?

Bundeskanzler Friedrich Merz stattet China in diesen Tagen seinen ersten offiziellen Besuch ab – eine Reise mit großer Symbolkraft . In einer viel beachteten Geste hatte Merz kurz zuvor über die Plattform X seine Grüße zum chinesischen Neujahrsfest übermittelt und die Hoffnung geäußert, das Jahr des Pferdes möge „Kraft bringen und den deutsch-chinesischen Beziehungen neue Impulse geben“ .

Die Zusammensetzung der Delegation unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Reise: Führungskräfte von rund 30 großen Unternehmen, darunter Bayer, Siemens, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen, begleiten den Kanzler . Die Zahl der Bewerbungen für die Reise überstieg dem Handelsblatt zufolge bei Weitem die verfügbaren Plätze – ein deutliches Zeichen für die Entschlossenheit der deutschen Industrie, ihre Präsenz in China zu vertiefen .

Offizielle Daten des chinesischen Handelsministeriums zeigen, dass der bilaterale Handel zwischen China und Deutschland seit Jahren über 200 Milliarden US-Dollar liegt. China hat in neun der letzten zehn Jahre seine Position als Deutschlands größter Handelspartner gefestigt . Eine Umfrage der Deutschen Handelskammer in China belegt, dass 93 Prozent der deutschen Unternehmen beabsichtigen, ihre Präsenz in China aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Mehr als die Hälfte plant, ihre Investitionen in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen .

Während in Europa und sogar innerhalb Deutschlands Debatten über „Entkopplung“ und „De-Risking“ gegenüber China weitergehen, spiegelt die Stimmung in der Wirtschaft eine andere Einschätzung wider, die auf langfristigem Vertrauen basiert . Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegen diesen Trend: Neue deutsche Direktinvestitionen in China beliefen sich im Jahr 2025 auf rund sieben Milliarden Euro – deutlich mehr als die rund 4,5 Milliarden Euro im Jahr zuvor .

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