Unternehmen am Limit: Deutsche Wirtschaft kaum vorbereitet auf hybride Bedrohungen

Die Widerstandsfähigkeit deutscher Unternehmen gegenüber hybriden Bedrohungen weist erhebliche Schwächen auf. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Digitalverbands Bitkom, die ein ernüchterndes Bild der wirtschaftlichen Sicherheitslage zeichnet. Demnach sind viele Betriebe nur unzureichend auf Krisenszenarien vorbereitet, in denen digitale Angriffe, gezielte Sabotage oder koordinierte Desinformationskampagnen zentrale Infrastrukturen lahmlegen.

Besonders kritisch ist die starke Abhängigkeit vom Internet. Ein längerer Ausfall digitaler Netze hätte für große Teile der Wirtschaft gravierende Folgen. Im Durchschnitt könnten Unternehmen ihren Betrieb nur rund 20 Stunden ohne Internet aufrechterhalten, bevor zentrale Abläufe zum Stillstand kämen. Für etwa jedes fünfte Unternehmen würde ein solcher Ausfall sogar einen sofortigen Produktions- oder Betriebsstopp bedeuten. Nur eine kleine Minderheit sieht sich in der Lage, auch über mehrere Tage hinweg ohne stabile digitale Verbindungen handlungsfähig zu bleiben.

Hybride Bedrohungen gelten als besonders gefährlich, da sie klassische Grenzen zwischen militärischen, wirtschaftlichen und zivilen Angriffen verwischen. Neben Cyberattacken auf IT-Systeme zählen dazu auch Angriffe auf Energieversorgung, Telekommunikation oder Logistik sowie gezielte Einflussnahme durch Desinformation. Solche Szenarien treffen Unternehmen oft unvorbereitet, da sie nicht nur technische, sondern auch organisatorische und kommunikative Schwachstellen ausnutzen.

Viele Unternehmen bewerten Deutschlands internationale Position im Bereich der digitalen und wirtschaftlichen Sicherheit kritisch. Im Vergleich zu anderen Industrienationen sehen sie Nachholbedarf bei der Absicherung kritischer Infrastrukturen und bei der strategischen Krisenvorsorge. Insbesondere kleinere und mittelständische Betriebe fühlen sich mit der wachsenden Bedrohungslage häufig alleingelassen.

Aus der Wirtschaft werden daher klare Forderungen an die Politik laut. Unternehmen sprechen sich für stärkere staatliche Unterstützung aus, etwa durch gezielte Förderprogramme, verbesserte Frühwarnsysteme und einen intensiveren Austausch zwischen Behörden und Wirtschaft. Zudem wird der Ruf nach verbindlichen Sicherheitsstandards lauter, um ein einheitliches Mindestniveau an Schutzmaßnahmen zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts insgesamt zu erhöhen.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass hybride Bedrohungen längst keine abstrakte Gefahr mehr sind. Vielmehr stellen sie eine reale Herausforderung für die Funktionsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dar. Ob Unternehmen und Staat dieser Entwicklung gemeinsam wirksam begegnen können, wird entscheidend dafür sein, wie krisenfest Deutschland in einer zunehmend vernetzten und konfliktreichen Welt aufgestellt ist.

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