Washington – Die Vereinigten Staaten erleben einen historischen Tiefpunkt. Der Iran-Krieg, explodierende Energiepreise und eine Rekordinflation haben Präsident Donald Trump in eine existenzielle Krise gestürzt. Seine Zustimmungswerte sind auf den niedrigsten Stand seiner Amtszeit gefallen, selbst in der eigenen Partei bröckelt die Unterstützung. Mit den Zwischenwahlen im November rückt ein politisches Desaster für die Republikaner in greifbare Nähe. In dieser ohnehin explosiven Situation droht nun die längste Regierungsschließung der US-Geschichte den Alltag der Bürger zu lähmen.
Umfrage-Debakel: Trump auf Rekordtief
Die jüngsten Umfragen zeichnen ein vernichtendes Bild. Der durchschnittliche Zustimmungswert des Präsidenten ist nach einer Reihe von Veröffentlichungen von RealClearPolitics, The Economist und der New York Times auf unter 40 Prozent gefallen – der niedrigste Stand seiner zweiten Amtszeit. In einer CNN/SSRS-Umfrage vom 1. April gaben nur 35 Prozent der Befragten an, mit Trumps Jobperformance zufrieden zu sein; die Wirtschaftskompetenz des Präsidenten sank auf magere 31 Prozent.
Noch alarmierender ist die Entwicklung in der eigenen Wählerschaft. Die Unterstützung unter Trumps Kernklientel erodiert: Unter seinen 2024-Wählern sank die Zustimmung um sechs Punkte auf 76 Prozent, unter Selbstbezeichnern als „MAGA-Unterstützer“ um fünf Punkte auf 92 Prozent. Bei den für die Midterms entscheidenden Unabhängigen fiel die Zustimmung im selben Zeitraum von 25 auf 22 Prozent. Für die Republikaner sind dies beunruhigende Signale.
Iran-Krieg: Belastungsprobe für die Nation
Der seit dem 28. Februar andauernde Krieg gegen Iran erweist sich zunehmend als politische Hypothek für den Präsidenten. Nach Angaben von Beratern wurde Trump bereits während der dritten Kriegswoche gewarnt, dass der Konflikt seine öffentliche Unterstützung gefährde. 60 Prozent der Amerikaner lehnen die Militärschläge mittlerweile ab, 54 Prozent glauben, der Krieg habe bereits zu weit geführt. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage ergab sogar, dass zwei Drittel der Bürger einen schnellen Rückzug aus dem Iran befürworten – selbst wenn die US-Kriegsziele dann unerreicht blieben.
Die jüngste Eskalation der Kämpfe hat die ohnehin fragile Lage weiter verschärft. Der Iran blockiert weiterhin die Straße von Hormus, fordert für deren Öffnung eine Kriegsentschädigung und kündigte die Einführung eines Mautsystems an. Trump reagierte mit scharfen Drohungen und verlängerte sein Ultimatum für Teheran mehrfach. In einem ausfallenden Post auf Truth Social forderte er die Führung in Teheran auf: „Öffnet die verdammte Straße (von Hormus), ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen“.
Gleichzeitig versucht die Administration fieberhaft, einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden. Nach Angaben des Weißen Hauses laufen „tiefgreifende Verhandlungen“ mit Iran über mehrere Kanäle, unter anderem vermittelt durch Pakistan, Ägypten und die Türkei. Trump erklärte zudem, er habe den iranischen Unterhändlern „Immunität vor dem Tod“ gewährt – eine ungewöhnliche Aussage, die auf sensible persönliche Verhandlungen hindeutet. Ein Abschluss der Gespräche bis Dienstag, 20.00 Uhr Ostküstenzeit, gilt als möglich, aber nicht gesichert.
Doch die militärischen Rückschläge der vergangenen Tage haben die Stimmung weiter vergiftet. Iran schoss erstmals einen US-Kampfjet des Typs F-15E über seinem Territorium ab; ein Pilot konnte nach tagelanger Suche gerettet werden, die Bergung des zweiten Besatzungsmitglieds bleibt ungewiss. Die Revolutionsgarden trafen zudem zwei US-Hubschrauber bei Rettungsmissionen. Die Aussicht auf eine weitere Eskalation, möglicherweise mit Bodentruppen, die Trump in einem Interview nicht ausschloss, schürt zusätzliche Ängste in der Bevölkerung.
Wirtschaft unter Schock: Inflation und sinkende Aktienkurse
Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges treffen die USA mit voller Wucht. Der nationale Benzinpreis überschritt erstmals seit August 2022 wieder die Marke von vier Dollar pro Gallone, der Ölpreis schnellte auf über 110 Dollar pro Barrel. Die großen Banken haben ihre Inflationsprognosen drastisch erhöht: Goldman Sachs erwartet nun eine Teuerungsrate von 3,1 Prozent, JPMorgan sogar von 3,4 Prozent.
Die Verbraucherstimmung ist im Keller. Laut CNN/SSRS haben 63 Prozent der Amerikaner angegeben, dass die hohen Spritpreise zu finanziellen Härten in ihren Haushalten geführt haben. Zwei Drittel sagen, Trumps Politik habe die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Die Aktienmärkte reagierten mit starken Verlusten: Der S&P 500 fiel um fast sechs Prozent von seinem Allzeithoch, der technologielastige Nasdaq erlitt noch größere Einbußen. Die Märkte haben Zinssenkungen in diesem Jahr bereits vollständig aus den Kursen gestrichen; die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen auf über 4,3 Prozent.
Rekord-Shutdown: Chaos an den Flughäfen
Ein innenpolitischer Sprengstoff kommt hinzu: Die USA erleben derzeit die längste teilweise Regierungsschließung ihrer Geschichte. Am Sonntag, den 30. März, erreichte der Stillstand 44 Tage und übertraf damit die vorherige Rekordlücke von 2018/19. Auslöser ist ein Haushaltsstreit über die Finanzierung des Heimatschutzministeriums.
Die Folgen sind für die Bürger bereits spürbar. Wegen fehlender Zahlungen bleiben Tausende Sicherheitskräfte den Flughäfen fern. Die Transportation Security Administration (TSA) verzeichnet eine Nichterscheinensquote von bis zu zehn Prozent, an manchen Flughäfen fehlen zeitweise 30 bis 40 Prozent der Kräfte. Die Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen haben sich vielerorts auf mehrere Stunden verlängert, Hunderte Flüge wurden verspätet oder gestrichen. Reisende berichten von chaotischen Zuständen und verpassten Anschlüssen. Präsident Trump versuchte gegenzusteuern, indem er Bundesmittel umleitete, um die TSA-Mitarbeiter zu bezahlen – ein umstrittener Schritt, der die verfassungsrechtlichen Grenzen der Exekutivgewalt aufzeigt.
Midterms: Das drohende Massaker
Die politischen Konsequenzen der Krise zeichnen sich bereits ab. Prognosemärkte wie Kalshi taxieren eine demokratische Rückeroberung des Repräsentantenhauses mittlerweile mit 84 Prozent. Etwa 39 Sitze gelten als umkämpft, die Demokraten benötigen nur einen Nettozugewinn von drei Mandaten. Noch alarmierender: Selbst der Senat, lange Zeit als republikanische Bastion betrachtet, gerät ins Wanken. Staaten wie Texas, Iowa und Ohio, einst als sicher republikanisch abgeschrieben, gelten inzwischen als offen.
„Die Zahlen für die Republikaner sind verheerend“, kommentiert Mike Madrid, ein republikanischer Stratege mit 35 Jahren Erfahrung, gegenüber Newsweek. „Ich habe in meiner gesamten Laufbahn noch nie ein so schlechtes fundamentales Umfeld für die Partei des amtierenden Präsidenten gesehen“. Sein Kollege Matt Klink fügt hinzu: „Die wirtschaftliche Angst der Bevölkerung, insbesondere die Sorge um die eigene finanzielle Situation, hat zu einem Abwärtstrend in den Umfragen für den Präsidenten geführt“.
Ausblick: Ein Präsident im Abwehrkampf
Die Ereignisse der vergangenen Tage haben Donald Trump in eine tiefe Defensive gedrängt. Die einstige goldene Ära, die er seinen Anhängern versprochen hatte, ist einer Realität aus Krieg, wirtschaftlichem Schmerz und politischer Isolation gewichen. Die Aussichten für die Midterms sind düster. „Trump ist am Tiefpunkt seiner Macht“, kommentiert der Politikwissenschaftler Geoffrey Skelley von Decision Desk HQ. „Das langfristige Problem für ihn ist, dass die Bewertung der Wirtschaft während seiner Präsidentschaft immer negativer geworden ist. Wenn Ihre einstigen Stärken zu Schwächen werden, was bleibt Ihnen dann noch, um die Bevölkerung anzusprechen?“
Die Uhr tickt. Bis November bleiben der Administration nur noch wenige Monate, um das Blatt zu wenden. Ein schnelles Ende des Iran-Krieges, sinkende Energiepreise und eine wirtschaftliche Erholung scheinen die einzigen Hoffnungsschimmer für die gebeutelte Regierung zu sein. Ob Trump diese Ziele erreichen kann, bevor seine politische Basis endgültig zerbröckelt, ist die zentrale Frage der kommenden Wochen.
Mit Material von CNN, Reuters, The Hill, Newsweek, YouGov, Economist, New York Times, RealClearPolitics, Kalshi, Axios, Tagesspiegel und Süddeutsche Zeitung.

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