In Berlin sorgte ein Vorstoß von Bundeskanzler Friedrich Merz für einen innenpolitischen Eklat. Nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmad al-Scharaa am Montag erklärte Merz, er wolle, dass 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland innerhalb der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehrten .
Die Kritik kam postwendend – und nicht von der Opposition, sondern aus den eigenen Koalitionsreihen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger warnte in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe: „Es ist nicht klug von dem Kanzler, mit konkreten Zahlen in konkreten Zeiträumen zu operieren. Das weckt Erwartungen, die er möglicherweise nicht erfüllen kann“ .
Auch aus Merz‘ eigener Partei hagelte es Kritik. Der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter sagte dem Handelsblatt, die Botschaft solcher Zahlen sei „in mehrfacher Hinsicht problematisch“ – sie schüre Erwartungen, die rechtspopulistische Kräfte dann ausbeuten könnten. Wie Rehlinger wies auch Kiesewetter auf die Bedeutung syrischer Fachkräfte hin: „Wenn sie zurückgehen, stehen wir vor einer Herausforderung“ .
Grünen-Politikerin Luise Amtsberg nannte die Äußerungen des Kanzlers „beschämend“: „Das verunsichert Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck bekommen, dass sie Deutschland in den kommenden Jahren wieder verlassen müssen“

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