Die japanische Wirtschaft gerät durch den Nahost-Krieg massiv unter Druck. Die Importpreise sind im März um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr in die Höhe geschnellt, die Unternehmensgüterpreise stiegen um 2,6 Prozent. Die Regierung in Tokio hat bereits scharfe Warnungen an spekulative Marktteilnehmer ausgesprochen.
Die Bank of Japan (BOJ) steht vor einem Dilemma: Einerseits steigt der Inflationsdruck durch die explodierenden Energiepreise, andererseits droht eine konjunkturelle Abkühlung. Die Notenbank hat jedoch signalisiert, dass sie weitere Zinsschritte vorbereitet. „Wenn sich unsere Wirtschafts- und Preisprognosen materialisieren, werden wir die Zinsen wahrscheinlich weiter anheben“, sagte Koji Nakamura, der für Geldpolitik zuständige Exekutivdirektor der BOJ, im Parlament. Der Markt rechnet mittlerweile mit einer etwa 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung bereits im April.
Die Auswirkungen des Krieges sind bereits in der Realwirtschaft spürbar. Eine Umfrage des privaten Thinktanks Teikoku Databank zeigt, dass sich die Geschäftsstimmung im März in allen zehn erfassten Branchen verschlechterte – zum ersten Mal seit September 2023. Besonders betroffen sind Transport, Einzelhandel, Maschinenbau und die Chipindustrie. Die Unternehmen klagen über steigende Treibstoffkosten und sich verlangsamende Warenflüsse. Der Yen ist seit Kriegsbeginn um mehr als zwei Prozent gegenüber dem Dollar gefallen.
Als Gegenmaßnahme kündigte Premierminister Takaichi an, im Mai zusätzliche nationale Ölreserven freizugeben – etwa die Menge von 20 Tagen Inlandsverbrauch. Auch politisch bereitet sich Japan auf eine angespannte Zeit vor. Die Regierung plant bereits einen Nachtragshaushalt, während die Opposition auf weitere Konjunkturmaßnahmen drängt.
Unterdessen treibt Japan die massive Aufrüstung voran. Neue Steuererhöhungen auf Tabak und Unternehmen treten in Kraft, um den Rekord-Verteidigungshaushalt von 9 Billionen Yen pro Jahr zu finanzieren. Ein Einkommensteuer-Zuschlag folgt im Januar 2027. Insgesamt fließen 43 Billionen Yen über fünf Jahre in den Militärausbau – die größte Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg. Bereits jetzt hat ein drittes japanisches Schiff die Straße von Hormus passiert, und Premierministerin Takaichi bereitet ein Gipfeltreffen mit dem Iran vor.

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