Trump unter Druck – Iran-Krieg spaltet Nation und Wirtschaft

Washington – Die Vereinigten Staaten erleben im März 2026 eine explosive Mischung aus wirtschaftlicher Verunsicherung, politischer Polarisierung und außenpolitischer Zerreißprobe. Einen Monat nach Beginn des US-geführten Militärschlags gegen Iran bröckelt der Rückhalt für Präsident Donald Trump in der Bevölkerung – selbst innerhalb der eigenen Partei. Während die Inflation wieder anzieht und die Konsumlaune auf den tiefsten Stand seit 2025 fällt, ringt die republikanische Partei mit einem tiefen Generationenkonflikt über den Krieg. Die Zwischenwahlen im November rücken näher – und die Lage für den Präsidenten wird zunehmend prekär.

Wirtschaft im Krisenmodus: Inflation kehrt zurück

Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges treffen die USA mit voller Wucht. Der Brent-Ölpreis ist seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar um mehr als 40 Prozent gestiegen, zeitweise wurde die Marke von 109 Dollar durchbrochen . An den Tankstellen zahlen Amerikaner inzwischen fast vier Dollar pro Gallone – ein Anstieg um einen Dollar innerhalb von vier Wochen.

Die Folgen für die Verbraucherstimmung sind verheerend. Der Index der University of Michigan fiel im März auf 53,3 Punkte – den niedrigsten Stand seit Ende 2025 und deutlich unter den Erwartungen . Besonders alarmierend: Die kurzfristigen Inflationserwartungen schnellten auf 3,8 Prozent hoch, ein Niveau, das die US-Notenbank Fed mit Sorge beobachtet . „Der kombinierte Effekt aus geopolitischen Spannungen, steigenden Energiekosten und nicht verankerten Inflationserwartungen hat die Ära des disinflationären Optimismus beendet, die das Jahresende 2025 prägte“, heißt es in einer Analyse der Wedbush Securities .

Die Fed steht vor einem schwierigen Balanceakt. Auf ihrer März-Sitzung beließ sie den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent . Doch die Töne aus der Notenbank werden zunehmend besorgniserregender. Fed-Chef Jerome Powell räumte ein, dass der Inflationsrückgang nicht so schnell verlaufe „wie erhofft“ . Zugleich betonte er die Unsicherheit: „Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft sind ungewiss“ .

Während Powell den Begriff „Stagflation“ für die aktuelle Situation noch ablehnt – er verweist auf die 1970er Jahre mit zweistelliger Inflation und Arbeitslosigkeit – wachsen die Sorgen an den Märkten. Der 2-Jahres-Treasury-Zins durchbrach zeitweise die 4-Prozent-Marke, ein Zeichen dafür, dass Anleger eine straffere Geldpolitik erwarten . Ökonomen der Großbanken rechnen inzwischen mit Zinserhöhungen im zweiten Quartal – ein Szenario, das noch vor wenigen Wochen undenkbar schien.

Der Krieg im Nahen Osten: Spaltung bis in die eigenen Reihen

Die militärische Eskalation gegen Iran, die am 28. Februar mit koordinierten US-israelischen Luftschlägen begann, hat eine tiefe Risse in der amerikanischen Gesellschaft aufgerissen – und selbst die republikanische Basis gespalten.

Auf der diesjährigen Conservative Political Action Conference (CPAC) in Grapevine, Texas, zeigte sich ein ungewöhnlich deutlicher Generationenkonflikt. Jüngere Konservative sprachen von „Enttäuschung“ und sogar „Verrat“. „Wir wollten keine weiteren Kriege. Wir wollten echte America-First-Politik, und Trump war darin sehr deutlich“, sagte Benjamin Williams (25) von der Organisation Young Americans for Liberty. „Es fühlt sich definitiv wie ein Verrat an“ .

Besonders die Aussicht auf eine Bodentruppen-Entsendung schürt Ängste. Die 82. US-Luftlandedivision hat bereits mindestens 1.000 Soldaten in die Region verlegt. Sean O‘Brien, ein 20-jähriger Student der Auburn University, sagte: „Das ist es, was mich nachts wach hält.“ Ein Einsatz am Boden wäre für ihn der „vollständige Verrat“ an Trumps Wahlversprechen .

Anders die ältere Generation. Joe Ropar (70), ein pensionierter Rüstungsunternehmer aus Texas, sieht Trump nicht als Kriegstreiber: „Ich glaube nicht, dass er einen neuen Krieg begonnen hat. Er reagierte auf einen 40 Jahre alten Krieg Irans.“ Kelle Phillips (61) aus Frisco fügte hinzu: „Man macht Wahlkampf mit dem, was man erreichen will, und dann passieren die Dynamiken der Welt. Wenn jemand im iranischen Regime Amerika zerstören will, kann man nicht mit ihm vernünftig reden“ .

Doch die Zweifel reichen bis in die Führungsebene der Konservativen. Der einflussreiche Podcaster und langjährige Trump-Vertraute Steve Bannon warnte auf seinem „War Room“-Podcast: „Das wird wirklich, wirklich, wirklich hässlich. Jeder, der etwas anderes erzählt, hat kein Kind an der Front.“ Der ehemalige Kongressabgeordnete Matt Gaetz sagte vor CPAC-Teilnehmern: „Eine Bodeninvasion im Iran wird unser Land ärmer und unsicherer machen.“ Selbst Joe Kent, Trumps Direktor des Center for Counterterrorism im Heimatschutzministerium, trat zurück – mit der Begründung: „Ich kann die anhaltende militärische Aktion gegen Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unsere Nation dar“ .

Die Umfragen: Alarm für die Midterms

Die wirtschaftlichen Sorgen und der unpopuläre Krieg hinterlassen tiefe Spuren in der öffentlichen Meinung. Eine neue Umfrage der University of Massachusetts Amherst, veröffentlicht am 30. März, bescheinigt Trump einen Zustimmungswert von nur noch 33 Prozent – den niedrigsten seiner zweiten Amtszeit . Das sind fünf Prozentpunkte weniger als im Juli 2025 und elf Punkte weniger als im April des vergangenen Jahres.

Besonders alarmierend für den Präsidenten: Die Umfrage zeigt Einbrüche in genau den Wählergruppen, die ihm 2024 zum Sieg verhalfen. Bei Männern, Arbeitern und schwarzen Wählern fiel seine Zustimmung seit April 2025 um fast 20 Prozentpunkte . Bei moderaten Wählern sank sie um 18 Punkte, bei Unabhängigen um 13 Punkte.

„Angesichts explodierender Preise, deutlicher Rückgänge an den Aktienmärkten, eines unpopulären Krieges im Nahen Osten, eines Regierungsstillstands, der zu Schlangen an Flughäfen führt, und landesweiter Proteste gegen seine Präsidentschaft ist es kein Schock, dass Trumps Zustimmungswerte in unseren aktuellen Umfragen gesunken sind“, sagte Tatishe Nteta, Leiter der Umfrage .

Die Einschätzung des Iran-Krieges fällt dabei vernichtend aus: 64 Prozent der Amerikaner geben Trump schlechte Noten für seine Kriegsführung, 59 Prozent halten die Militäraktion für übertrieben . Selbst in der republikanischen Basis gibt es Risse: Während 92 Prozent der selbsternannten MAGA-Anhänger die Iran-Politik unterstützen, tun dies unter den Nicht-MAGA-Republikanern nur 70 Prozent .

Konsumklima und Wirtschaftsängste

Die wirtschaftliche Verunsicherung ist der größte Treiber der Unzufriedenheit. 71 Prozent der Amerikaner sagen, Trump gehe nicht gut mit der Inflation um, 61 Prozent kritisieren seine Wirtschaftspolitik . Zwei Drittel der Befragten bewerten seine Zollpolitik negativ – dabei war dies eigentlich eines seiner Kernthemen.

Die Verbraucherstimmung spiegelt diese Ängste wider. Der Michigan-Consumer-Sentiment-Index fiel nicht nur insgesamt dramatisch, auch die Erwartungskomponente brach auf 51,7 Punkte ein – ein Vier-Monats-Tief . Die aktuelle Wirtschaftslage wird mit 55,8 Punkten bewertet, ebenfalls ein deutlicher Rückgang. Für die US-Wirtschaft, die zu zwei Dritteln vom Konsum lebt, sind das alarmierende Signale.

Ausblick: Ein Präsident im Abwehrkampf

Mit den Zwischenwahlen im November 2026 rückt der Druck auf Trump weiter zu. Die Republikaner müssen 13 Senatssitze verteidigen, ihre hauchdünne Mehrheit im Repräsentantenhaus ist gefährdet. „Diese Umfragewerte sind brutal“, kommentierte der Politikwissenschaftler Jesse Rhodes von der University of Massachusetts. „62 Prozent der Amerikaner lehnen Trumps Amtsführung ab. Der Grund: Die Amerikaner bewerten Trump in den drängendsten Fragen extrem schlecht, besonders bei den wirtschaftlichen Kernthemen.“

CPAC-Chef Matt Schlapp räumte die innerparteilichen Spannungen ein: „Ich denke, die Leute vertrauen Präsident Trump, deshalb glaube ich nicht, dass seine Unterstützung ins Wanken gerät. Aber darunter gibt es Sorge, wohin das führt.“

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Sollte der Ölpreis weiter steigen und die Inflation sich verfestigen, könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen wieder anzuheben – mitten im Wahlkampf. Und sollte der Iran-Krieg sich hinziehen, könnte die republikanische Basis weiter zerbröseln. Für Donald Trump, der 2024 mit dem Versprechen einer goldenen Ära antrat, wird der März 2026 zum politischen Stresstest.


Mit Material von CNBC, Los Angeles Times, University of Massachusetts Amherst, University of Michigan, Associated Press und Nachrichtenagenturen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back to top