Washington – Ein eiskalter Mai geht zu Ende, und US-Präsident Donald Trump steckt tief in der Krise. Der Iran-Krieg, explodierende Energiepreise und eine vernichtende Umfragenflut haben seine zweite Amtszeit in eine existenzielle Schieflage gebracht. Die neuesten Erhebungen zeichnen ein Bild des politischen Niedergangs: Selbst unter langjährigen republikanischen Stammwählern bröckelt die Unterstützung. Während Trump verzweifelt versucht, durch einen Friedensdeal im Iran-Krieg das Blatt noch zu wenden, droht den Republikanern bei den Midterms im November ein historisches Desaster – und selbst in der eigenen Partei regt sich Widerstand.
Umfrage-Debakel: Trump auf Rekordtief
Die neuesten Umfragezahlen sind vernichtend: Selbst das traditionell republikanisch ausgerichtete Institut Rasmussen Reports misst Trumps Zustimmung in der letzten Maiwoche bei nur 41 Prozent, bei 57 Prozent Zustimmungsverlust – der schlechteste Wert seit seiner zweiten Amtszeit. Sein Beliebtheitsindex fiel auf ein Rekordtief von minus 23. Besonders alarmierend: Der Anteil der starken Gegner stieg auf 48 Prozent, während die starke Zustimmung auf nur 25 Prozent sank. Dies ist für einen Präsidenten, der seine politische Macht maßgeblich auf eine leidenschaftliche Anhängerschaft stützt, ein ernstes Warnsignal.
Die Zustimmungsverluste ziehen sich durch nahezu alle Bevölkerungsgruppen. Bei den für den Wahlausgang entscheidenden unabhängigen Wählern fiel Trumps Netto-Zustimmung in den vergangenen zwölf Monaten um 18 Punkte. Noch dramatischer ist der Absturz bei den sogenannten „White Non-College“-Wählern, die bei der Wahl 2024 entscheidend für Trumps Sieg waren. Laut einer CBS News/YouGov-Umfrage fiel seine Netto-Zustimmung bei dieser einst treuesten Anhängergruppe von plus 36 Punkten im Februar 2025 auf minus 8 Punkte im Mai 2026 – ein Umschwung um 44 Punkte. Auch bei den Millennials erreichte seine Zustimmung mit 12 Prozent den niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit.
Wirtschaft in der Abwärtsspirale
Die verheerenden Umfragewerte sind eine direkte Folge der angespannten Wirtschaftslage. Die Inflation ist von 2,4 Prozent zu Jahresbeginn auf 3,3 Prozent im April gestiegen, wobei die Energiepreise um fast 18 Prozent explodierten. Die Verbraucherstimmung befindet sich laut Conference Board Index im freien Fall, die Michigan Consumer Sentiment Index brach auf ein Rekordtief von 48,2 Punkten ein. Die Arbeitsmarktdaten zeigen eine kühle Realität: Im April wurden 115.000 neue Stellen geschaffen, wobei die Schaffung von Arbeitsplätzen sich weitgehend auf den Gesundheitssektor beschränkt.
Die Wirtschaftsexperten von Moodys warnen vor einem toxischen Mix aus demografischem Wandel, strukturellem Wandel und geopolitischen Erschütterungen. „Die Entwicklung sieht nicht gut aus“, sagt Mark Zandi, Chefökonom bei Moodys. „Vor allem weil die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges erst jetzt richtig durchschlagen.“ Gleichzeitig sind die Finanzmärkte von der Realwirtschaft abgekoppelt: Der S&P 500 erreichte neue Allzeithochs, beflügelt durch den anhaltenden KI-Boom. Ökonomen warnen jedoch vor einer gefährlichen Blase, da die Unternehmensgewinne nicht mit den Kurssteigerungen Schritt hielten.
Außenpolitik: Der Iran-Krieg als politische Hypothek
Die größte politische Hypothek für Trump bleibt der seit Ende Februar andauernde Krieg gegen Iran. Der Konflikt hat die strategisch wichtige Straße von Hormus blockiert, die Ölpreise in die Höhe getrieben und die US-Stimmung auf ein Rekordtief gedrückt. Während die Waffenruhe weitgehend hält, bleibt die Lage explosiv. Erst Ende Mai griffen die USA nach eigenen Angaben iranische Raketenstellungen und Minenschiffe an, nachdem zuvor iranische Einheiten US-Kriegsschiffe in der Meerenge attackiert hatten.
Nach wochenlangen Verhandlungen, unter anderem vermittelt durch Pakistan, stehen die USA angeblich kurz vor einem Rahmenabkommen. Trump erklärte auf Truth Social, es sei „weitgehend ausgehandelt“. Außenminister Marco Rubio konkretisierte: „Es wird entweder ein guter Deal sein, oder es wird keinen geben.“ Der Entwurf für eine Absichtserklärung sieht eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe vor, in der die Straße von Hormus gebührenfrei befahrbar sein soll. Iran würde zugleich seine Atomwaffenambitionen aufgeben. Israel hat seinerseits seine eigene Handlungsfreiheit im Libanon als festen Bestandteil des Abkommens gefordert. Teheran erklärte jedoch bereits, die Meerenge werde auch nach einem Abkommen „unter voller iranischer Verwaltung und Souveränität bleiben“. Trumps Darstellung entspreche daher „nicht der Realität“. Ob ein endgültiger Friedensschluss gelingt, bleibt völlig offen.
Der Blick nach Europa: Ukraine-Rolle rückläufig
Während der Iran-Krieg die Schlagzeilen dominiert, hat die USA ihre Rolle im Ukraine-Krieg weitgehend zurückgefahren. Anfang Mai vermittelte Trump eine dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine sowie den Austausch von jeweils 1.000 Kriegsgefangenen. Doch der Kreml knüpfte jede Fortsetzung der trilateralen Friedensgespräche an die Bedingung eines ukrainischen Truppenabzugs aus dem Donbass. Selenskyj lehnte dies mit Verweis auf die territoriale Integrität der Ukraine ab. Mit der diplomatischen Pause rückt das Engagement der USA in Osteuropa weiter in den Hintergrund.
Handelskonflikt mit EU entschärft – vorerst
Im Wirtschaftskontext mit Europa zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Nach massiven Drohungen Trumps, ab dem 1. Juni 50-prozentige Zusatzzölle auf EU-Autos zu verhängen, einigte sich die EU auf die vollständige Umsetzung des umstrittenen Zollabkommens. Im Gegenzug werden nun unter anderem Zölle auf US-Industriegüter abgeschafft. US-Präsident Trump hatte eine entsprechende Einigung zuvor als Bedingung dafür genannt, eine Eskalation im Handelskonflikt zu verhindern. Die Umsetzung des Zollabkommens erfolgte rechtzeitig vor dem Ultimatum, um eine Ausweitung des Konflikts vorerst abzuwenden.
Midterms 2026: Republikaner vor dem Scherbenhaufen
Die politischen Folgen der Krise zeichnen sich bereits jetzt ab. Die Midterm-Wahlen im November drohen für die Republikaner zum Debakel zu werden. Die Fraktion der GOP hat in diesem Jahr kaum legislative Erfolge vorzuweisen – zum einen blockiert der Iran-Krieg die Agenda, zum anderen ist die Partei handlungsunfähig. Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen den Präsidenten in den eigenen Reihen: Republikanische Abgeordnete stellen sich offen gegen Trumps Haushaltspläne, beispielsweise eine 1,8 Milliarden Dollar schwere Ausgleichskasse oder den Umbau des Weißen Hauses. Und auch Trumps Versuch, die Wahlbezirke durch Gerrymandering vor den Wahlen zu verschieben, scheiterte – South Carolina lehnte das Vorhaben ab, und ein Bundesgericht blockierte eine geplante Neugliederung in Alabama.
Ausblick: Ein Präsident im Abwehrkampf
Die Aussichten für Trump sind düster. Die wirtschaftlichen Belastungen durch den Iran-Krieg könnten noch monatelang anhalten. Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen erneut anzuheben – was die Wirtschaft zusätzlich belasten würde. Der Politikwissenschaftler Geoffrey Skelley von Decision Desk HQ kommentiert: „Trump ist am Tiefpunkt seiner Macht. Das langfristige Problem für ihn ist, dass die Bewertung der Wirtschaft während seiner Präsidentschaft immer negativer geworden ist. Wenn Ihre einstigen Stärken zu Schwächen werden, was bleibt Ihnen dann noch, um die Bevölkerung anzusprechen?“
Mit Material von Rasmussen Reports, AP, Newsweek, Tagesspiegel, Deutschlandfunk, Focus, BNP Paribas, Bloomberg, n-tv, Tagesschau, Reuters und DW.

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