USA: Wirtschaft auf der Kippe – Kriegskosten und politische Blockade belasten Trump

Washington – Die Vereinigten Staaten erleben im März 2026 eine ungewöhnliche Verdichtung von Krisen. Während der Krieg im Nahen Osten in die vierte Woche geht und die Energiepreise in die Höhe treibt, zeigt die US-Wirtschaft überraschende Schwächen: Der Arbeitsmarkt verzeichnete im Februar den ersten Stellenabbau seit Jahren, und die Inflation bleibt hartnäckig über dem Zielwert. Gleichzeitig lähmt ein Haushaltsstreit in Washington die Arbeit der wichtigsten Sicherheitsbehörde – mit spürbaren Folgen für Reisende im ganzen Land. Ein Lagebericht.

Wirtschaft: Jobverlust und Inflationssorgen

Die jüngsten Konjunkturdaten haben in Washington und an der Wall Street für Aufsehen gesorgt. Nach einem überraschend schwachen Februar-Arbeitsmarktbericht mehren sich die Anzeichen, dass sich die US-Wirtschaft in einer schwierigen Phase befindet.

Die Arbeitslosenquote stieg im Februar auf 4,4 Prozent – den höchsten Stand seit vier Jahren . Besonders besorgniserregend: Die US-Wirtschaft verlor im Februar 92.000 Stellen, während Analysten noch mit einem leichten Zuwachs gerechnet hatten . Die Daten für Dezember und Januar wurden ebenfalls nach unten korrigiert; insgesamt wurden 69.000 Stellen aus den Vormonaten gestrichen .

Einzig der Gesundheitssektor konnte leichte Zuwächse verzeichnen. Das Verarbeitende Gewerbe verlor 12.000 Arbeitsplätze, die Technologiebranche setzte ihren Abwärtstrend mit 11.000 verlorenen Stellen fort . Chicago Fed President Austan Goolsbee bezeichnete die Daten als „katastrophal“ im Vergleich zu den Erwartungen .

Die Teuerung bleibt ebenfalls ein Problem. Die Inflation lag zuletzt bei 2,6 Prozent – deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent . Hinzu kommt der Kriegseffekt: Der Ölpreis ist seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar stark gestiegen. Goldman Sachs warnt, dass anhaltend hohe Ölpreise die US-Inflation von 2,4 Prozent im Januar auf etwa 3 Prozent bis Jahresende anheben könnten .

An den Märkten macht sich angesichts dieser Gemengelage aus schwachem Wachstum und anhaltender Inflation die Furcht vor einer „Stagflation“ breit – einer toxischen Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und steigenden Preisen .

Geldpolitik: Fed hält Zinsen stabil – Uneinigkeit über weiteren Kurs

Die US-Notenbank Fed hat auf ihrer März-Sitzung am 18. März den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen . In ihrer Stellungnahme hieß es, die wirtschaftliche Aktivität habe sich „solide“ entwickelt, die Inflation bleibe jedoch „etwas erhöht“ .

Bemerkenswert: Die Entscheidung fiel nicht einstimmig aus. Stephen I. Miran, ein Mitglied des Offenmarktausschusses, stimmte gegen die Zinspause und plädierte für eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte . Dies deutet auf wachsende Spannungen innerhalb der Fed hin – zwischen jenen, die weiterhin auf Inflationsbekämpfung setzen, und jenen, die angesichts der nachlassenden Konjunktur eine Lockerung fordern.

Das aktuelle „Dot Plot“-Diagramm der Fed zeigt, dass die Mehrheit der Währungshüter für 2026 mit einem Zinsniveau zwischen 3,25 und 3,75 Prozent rechnet . Für die Folgejahre gehen die Prognosen jedoch weit auseinander – ein Zeichen der Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung.

Beobachter rechnen nun mit einer ersten Zinssenkung frühestens im Dezember 2026 . Die nächste Sitzung ist für den 28./29. April anberaumt.

Geopolitik: US-israelische Kooperation unter Druck

Der Krieg gegen Iran, der am 28. Februar mit koordinierten US-israelischen Luftschlägen begann, zeigt nach nunmehr drei Wochen erste Risse im transatlantischen Bündnis. Analysten sprechen von wachsenden „Rissen“ in der US-israelischen Allianz .

Die unterschiedlichen Kriegsziele treten immer deutlicher zutage. Während Israel unter Premierminister Benjamin Netanyahu weiterhin den „Umsturz“ des iranischen Systems anstrebt und gezielte Tötungen hochrangiger iranischer Persönlichkeiten durchführt, hat sich die US-Politik spürbar eingeengt . Washington konzentriert sich inzwischen auf die Zerschlagung des iranischen Raketenprogramms, der Nuklearinfrastruktur und der regionalen Stellvertreter-Netzwerke .

Konkrete Spannungen gab es nach israelischen Angriffen auf Energieanlagen in der Provinz Buschehr am 18. März. Die USA distanzierten sich öffentlich und erklärten, von den Angriffen keine Kenntnis gehabt zu haben . Präsident Trump stellte klar, dass künftige Schläge auf Energieziele der amerikanischen Zustimmung bedürften .

Auch die Dauer des Konflikts ist umstritten. Während die israelische Militärführung mit mindestens drei weiteren Wochen intensiver Kampfhandlungen plant , deutete Trump zuletzt an, dass die USA ihren Zielen „sehr nahe“ seien und eine Reduzierung des Engagements erwögen .

Hintergrund dieser Divergenzen sind unterschiedliche Risikobewertungen. „Israel kann sich nicht zurückziehen; die USA schon“, analysierte der chinesische Nahost-Experte Niu Xinchun den strukturellen Unterschied . Wirtschaftliche Kosten – insbesondere die gestiegenen Ölpreise – könnten Trump politisch gefährlich werden, sollten sie sich verfestigen.

Energie: Spritpreise auf Rekordniveau

Die Auswirkungen des Krieges sind an den Tankstellen des Landes unmittelbar spürbar. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin liegt inzwischen bei fast vier Dollar pro Gallone – ein Anstieg um einen Dollar seit Kriegsbeginn vor 23 Tagen . Die Fluggesellschaften leiden unter explodierenden Kerosinkosten; United Airlines-Chef Scott Kirby rechnet mit Ölpreisen von bis zu 175 Dollar pro Barrel .

Die US-Regierung bemüht sich gegenzusteuern. Das Finanzministerium erließ eine Sondergenehmigung, die den Transport iranischen Öls auf See vorübergehend von Sanktionen ausnimmt, um das Angebot zu sichern . Energieminister Chris Wright zeigte sich zuversichtlich, dass die Versorgungsengpässe nur „Wochen, nicht Monate“ andauern würden .

Präsident Trump selbst hat mehrfach betont, dass die Operation auf vier bis sechs Wochen ausgelegt sei . Sollte die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, erwarte er einen schnellen Rückgang der Energiepreise .

Innere Sicherheit: DHS-Finanzierungskrise lähmt Flughäfen

Eine innenpolitisch brisante Entwicklung verschärft die Lage zusätzlich. Der Streit zwischen Republikanern und Demokraten über die Finanzierung des Heimatschutzministeriums (DHS) hat zu einem teilweisen Stillstand der Behörde geführt – mit unmittelbaren Auswirkungen für Millionen Reisende.

Seit Beginn des Haushaltsstreits arbeiten TSA-Mitarbeiter ohne Bezahlung. Die Folgen sind bereits sichtbar: An Flughäfen in Atlanta, Houston, New York und anderen Städten bilden sich stundenlange Schlangen . Die durchschnittliche Nichterscheinensquote bei TSA-Mitarbeitern liegt bei zehn Prozent, an manchen Flughäfen fehlen zeitweise 30 bis 40 Prozent der Kräfte . Mehrere hundert Beschäftigte haben bereits gekündigt .

Verkehrsminister Sean Duffy warnte am Sonntag im ABC-Interview vor einer weiteren Verschärfung: Sollte bis zum kommenden Wochenende keine Einigung erzielt werden, drohe eine massive Abwanderung von TSA-Personal, da viele Beschäftigte mit Jahresgehältern um die 50.000 Dollar in Großstädten ohne Lohn nicht über die Runden kämen .

Präsident Trump kündigte an, ICE-Agenten zur Unterstützung an die Flughäfen zu schicken – ein Schritt, der von Demokraten kritisch gesehen wird. Die Sprecherin der Haushaltsausschuss-Minderheit, Rosa DeLauro (D-CT), warf der Regierung vor, die Krise für eine „parteiische Agenda“ zu nutzen .

Wahlen: Midterms rücken in den Fokus – Wähler unzufrieden

Im November 2026 finden die Zwischenwahlen in den USA statt – und der Iran-Krieg wird bereits jetzt zum Wahlkampfthema. In Pennsylvania, einem entscheidenden Swing State, zeigt sich die Stimmung unter unabhängigen Wählern gespalten.

Eine aktuelle Quinnipiac-Universitäts-Umfrage ergab, dass 60 Prozent der unabhängigen Wähler US-Militäraktionen gegen Iran ablehnen . 71 Prozent der Unabhängigen gaben an, dass die Regierung die Gründe für das Eingreifen nicht klar erklärt habe .

An einem Frühstückslokal in Levittown, Pennsylvania, traf die Nachrichtenagentur AFP auf gemischte Reaktionen. Jolene Lloyd, eine 65-jährige Rentnerin und ehemalige Postangestellte, sagte: „Trump zieht uns in ein weiteres Irak, Vietnam hinein.“ Sie werde bei der Wahl nur noch Demokraten unterstützen .

Andere zeigten sich kämpferischer. Bobby Marozzi, 37, Angestellter des Diners, sagte: „Wenn Trump sagt, dass wir opfern müssen für eine bessere Zukunft, dann stimme ich dem zu 100 Prozent zu.“ Es sei in Ordnung, wenn die Gaspreise vier Jahre lang hoch blieben, solange die Regierung etwas erreiche .

Christopher Borick, Direktor des Muhlenberg College Institute of Public Opinion, analysierte: „Die Schwierigkeiten der Regierung, einen überzeugenden und klaren Fall für die Militäraktionen im Iran darzulegen, haben die ohnehin schwierige Position der Republikaner bei den Unabhängigen weiter verschärft“ .

Ausblick: Unsichere Aussichten

Die USA durchlaufen im März 2026 eine Phase erhöhter Fragilität. Wirtschaftlich zeigt das Land erste Schwächen – der Arbeitsmarkt kühlt ab, die Inflation bleibt hoch, die Energiepreise steigen. Geopolitisch gerät die einstige Einigkeit mit Israel zunehmend unter Druck. Innenpolitisch lähmt ein parteipolitischer Streit die Arbeit der Heimatschutzbehörde.

Präsident Trump, der zu Beginn des Jahres noch eine „goldene Ära“ versprochen hatte , sieht sich mit einer wachsenden Liste ungelöster Probleme konfrontiert. Die entscheidende Frage wird sein, ob die wirtschaftlichen Belastungen durch den Krieg zeitlich begrenzt bleiben – und ob es der Regierung gelingt, die unzufriedenen Wähler bis November wieder von ihrem Kurs zu überzeugen.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die US-Wirtschaft den erhofften „soft landing“ schafft oder ob die Kombination aus schwachem Arbeitsmarkt, hoher Inflation und teurer Energie in eine längere Phase der Stagflation führt. Die Fed hat sich vorerst für Abwarten entschieden – doch der Druck auf die Währungshüter wächst.


Mit Material von Federal Reserve, Reuters, AFP, Xinhua, ABC News und Analystenberichten.

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