Ukraine. Wirtschaftliche Entwicklung: Stabilität unter Kriegsbedingungen

Trotz der anhaltenden Kampfhandlungen gelingt der Ukraine eine bemerkenswerte wirtschaftliche Stabilisierung. Wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in ihrem aktuellen Bericht mitteilt, wuchs die ukrainische Wirtschaft 2025 um 2,0 Prozent – mit einer deutlichen Beschleunigung auf 3,0 Prozent im vierten Quartal .

Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert die EBRD ein Wachstum von 2,5 Prozent, unter der Annahme, dass der Krieg weitergeht. Sollte der Krieg enden, wäre sogar ein Anstieg auf 4,0 Prozent im Jahr 2027 möglich . „Während der Krieg weiterhin erhebliche menschliche und wirtschaftliche Kosten verursacht, haben die ukrainischen Behörden, Unternehmen und Partner eine starke Fähigkeit zur Stabilisierung der Wirtschaft unter beispiellosen Bedingungen demonstriert“, heißt es in dem Bericht .

Die Inflation, die zu Jahresbeginn 2025 noch erhöht war, sank in der zweiten Jahreshälfte deutlich auf 7,4 Prozent im Januar 2026 . Die Zentralbank konnte daraufhin ihren Leitzins im Januar um 50 Basispunkte senken . Das enorme Haushaltsdefizit wird vollständig durch internationale Partner finanziert – mehr als 110 Milliarden Euro an zugesagter Unterstützung für 2026-27 begrenzen die kurzfristigen Risiken .

Herausforderungen bleiben jedoch bestehen: Engpässe in der Energieversorgung, anhaltende Arbeitskräfteknappheit und eine schwächere Agrarproduktion belasten das Wachstum . Zudem gehört die Ukraine laut einer FAO-Prognose zu den 15 Ländern mit dem weltweit schnellsten Anstieg der Lebensmittelpreise: Für 2026 wird eine Lebensmittelinflation von 9,2 Prozent erwartet .

Humanitäre Lage: Anhaltende Belastungen

Die humanitäre Situation bleibt angespannt. Human Rights Watch dokumentierte für 2025 eine Reihe von Vorfällen mit zivilen Opfern. Besonders schwer wog ein Angriff auf das Dorf Jarowa in der Region Donezk im September, bei dem 25 Zivilisten getötet wurden, die ihre Renten an einem mobilen Postamt abholen wollten . Im November tötete ein Raketenangriff auf ein Wohngebäude in Ternopil 39 Menschen .

Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte für 2025 insgesamt 577 Angriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr . Besonders perfide ist die Taktik der „Double-Tap“-Angriffe, bei denen Rettungskräfte gezielt angegriffen werden, nachdem sie zu Einsatzorten geeilt sind .

Die ukrainische Regierung reagierte auf die anhaltenden Belastungen mit einer Regierungsumbildung im Juli 2025 – der größten seit Kriegsbeginn . Im September richtete das Parlament zudem eine Ombudsstelle für das Militär ein, um die Belange der Soldaten besser zu vertreten .

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