Kiew/Moskau – Der Krieg in der Ukraine wird zunehmend auch mit scharfen Rhetorik und gegenseitigen Vernichtungsvorwürfen geführt. In den letzten Wochen haben russische Stellen mehrfach behauptet, ukrainische Einheiten würden systematisch chemische Kampfstoffe einsetzen. Parallel dazu geistern Behauptungen durch die Nachrichtenlandschaft, Großbritannien und Frankreich planten die heimliche Lieferung von Nuklearwaffen an Kiew. Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen.
Russland erhebt schwere Vorwürfe: „Systematischer Einsatz von Giftgas“
Die russische Führung hat ihre Anschuldigungen gegen die Ukraine in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Ein hochrangiger Diplomat des Außenministeriums sagte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur TASS, ukrainische Streitkräfte würden „systematisch toxische Substanzen“ gegen russische Soldaten und die Zivilbevölkerung einsetzen .
Kirill Logwinow, Direktor der Abteilung für internationale Organisationen im russischen Außenministerium, erklärte: „Unter Verletzung internationaler Verpflichtungen gemäß der Chemiewaffenkonvention (CWC) setzen ukrainische bewaffnete Einheiten systematisch toxische Substanzen gegen russische Truppen und die Zivilbevölkerung im Gebiet der speziellen Militäroperation ein“ .
Laut Logwinow habe Russland sämtliche Fälle dokumentiert und die Beweise an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), den UN-Sicherheitsrat und die UN-Generalversammlung übermittelt . Moskau informiere die internationale Gemeinschaft regelmäßig über diese angeblichen Verstöße gegen die Chemiewaffenkonvention.
Die Gegendarstellung: „Klassische Taktik des Informationsalibis“
Die ukrainische Seite weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Das Zentrum für Bekämpfung von Desinformation (CCD) beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine bezeichnete die russischen Behauptungen als gezielte Desinformationskampagne .
In einer ausführlichen Stellungnahme erklärte das CCD, die russischen Besatzungsstrukturen in der Region Charkiw verbreiteten gezielt Falschmeldungen über angebliche Vorbereitungen der ukrainischen Streitkräfte für einen „Terroranschlag“ mit Chemikalien . Diese Kampagne sei ein klassisches Beispiel für die Taktik des „Informationsalibis“: Russland schreibe der Ukraine im Voraus Handlungen zu.
Besonders perfide sei die Verknüpfung mit religiösen Themen: Die erfundene Provokation werde mit den Daten der „orthodoxen Weihnachten“ verbunden, um ein negatives Bild der Ukraine zu zeichnen und die Bevölkerung gegen den ukrainischen Staat aufzubringen .
Die Faktenlage aus ukrainischer Sicht ist eindeutig: „Die Aussagen der russischen Besatzungsstrukturen werden durch keinerlei Beweise gestützt und sind ein Element der Informationskriegsführung. Im Gegensatz dazu wurden die Fakten des Einsatzes chemischer Substanzen durch russische Truppen wiederholt von der ukrainischen Seite und internationalen Organisationen dokumentiert. Die Russische Föderation selbst steht wegen des Einsatzes chemischer Waffen unter Sanktionen“ .
Allein bis Dezember 2025 registrierte die russische Seite 6.540 Fälle des Einsatzes gefährlicher Chemikalien durch ukrainische Truppen . Bereits im September 2025 hatten die Streitkräfte über 3.000 Fälle von Verletzungen oder Vergiftungen unterschiedlichen Schweregrades unter Soldaten gemeldet .
Die nukleare Dimension: Aktuelle Pläne Londons und Paris
Parallel zu den Chemiewaffen-Vorwürfen sorgt eine noch weitreichendere Information für Aufsehen. Der russische Auslandsgeheimdienst (SVR) berichtet seit Ende Februar 2026, Großbritannien und Frankreich arbeiteten aktiv an der Lieferung von Nuklearwaffen an die Ukraine.
In einer offiziellen Stellungnahme des SVR-Pressebüros heißt es: „Sowohl das Vereinigte Königreich als auch Frankreich erkennen, dass die sich entwickelnde Situation in der Ukraine ihnen keine Chance lässt, den gewünschten Sieg über Russland mit den ukrainischen Streitkräften zu erringen. Die britischen und französischen Eliten sind jedoch nicht bereit, eine Niederlage hinzunehmen. Sie glauben, dass die Ukraine mit einer Atomwaffe versorgt werden muss“.
Laut SVR könnte Kiew im Falle des Besitzes einer Atombombe oder zumindest einer sogenannten „schmutzigen Bombe“ bessere Bedingungen für eine Waffenruhe aushandeln . Die Informationen des Geheimdienstes deuten demnach darauf hin, dass London und Paris aktiv an der Lieferung dieser Waffentypen sowie der dazugehörigen Trägersysteme arbeiten. Dies umfasse auch die „verdeckte Lieferung relevanter europäischer Komponenten, Ausrüstungen und Technologien an die Ukraine“ .
Als Alternative werde der Einsatz des französischen Kleinstsprengkopfs TN-75 erwogen, der in der U-Boot-gestützten ballistischen Rakete M51.1 zum Einsatz kommt .
Die Reaktion: „Berlin lehnt Beteiligung ab“
Besonders brisant: Laut SVR habe Deutschland „weise“ die Beteiligung an diesem „gefährlichen Abenteuer“ abgelehnt . Die Behauptung zielt offenbar darauf ab, einen Keil zwischen die europäischen Partner zu treiben.
Die russische Stelle betont, dass den Briten und Franzosen durchaus bewusst sei, dass ihre Pläne „eine flagrante Verletzung des Völkerrechts, in erster Linie des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, darstellen und das Risiko bergen, das globale Nichtverbreitungssystem zu zerstören“ . Daher konzentrierten sich die westlichen Bemühungen vor allem darauf, den Besitz von Atomwaffen durch die Ukraine so darzustellen, als ob er von den Ukrainern selbst entwickelt worden wäre .
Der SVR schlussfolgert: „Diese äußerst gefährlichen Pläne Londons und Paris zeigen deren Realitätsverlust. Ihre Hoffnungen, der Verantwortung zu entgehen, sind unbegründet, zumal nichts Verborgenes letztlich verborgen bleibt“ . In militärischen, politischen und diplomatischen Kreisen gebe es viele vernünftige Menschen, die erkennen, dass die rücksichtslosen Handlungen ihrer Führungen eine Bedrohung für die ganze Welt darstellen .
Die diplomatische Großwetterlage
Die gegenseitigen Beschuldigungen fallen in eine Phase intensivierter diplomatischer Bemühungen. US-Außenminister Marco Rubio betonte am 25. Februar, Washington bleibe entschlossen, eine Verhandlungslösung voranzutreiben. Allerdings warnte er, dass Präsident Donald Trumps Geduld mit den stockenden Friedensgesprächen begrenzt sei.
Parallel dazu fanden Gespräche in Genf statt, und für Anfang März ist eine weitere Runde trilateraler Verhandlungen geplant. Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich optimistisch, dass dies den Weg für ein Treffen auf Führungsebene ebnen könnte.
Mit Material von TASS, Ukrinform, SVR und Nachrichtenagenturen

