Seit dem Auslaufen der trilateralen Waffenruhe am vergangenen Dienstag hat die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Territorium deutlich intensiviert. Wie aus russischen Behördenangaben hervorgeht, richteten sich die jüngsten Attacken gezielt gegen Energieanlagen und militärische Logistikzentren. Die ukrainische Führung bestätigte am Donnerstag, die Angriffe auf die russische Energieindustrie fortzusetzen.
Den russischen Rettungsdiensten zufolge wurden in den vergangenen Tagen mehrere bedeutende Treibstoffanlagen getroffen. Besonders schwerwiegend ist der Angriff auf die Raffinerie in Rjasan, einer Stadt etwa 200 Kilometer südöstlich von Moskau. Nach ukrainischen Militärangaben brach nach dem Einschlag auf dem Werksgelände ein Großbrand aus. Weitere Attacken dieser Intensität sind nach Aussage des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Vorbereitung: „Wir setzen die Operation fort“, kündigte er in seiner abendlichen Videobotschaft an. Die Kampagne scheint systematisch angelegt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zählte allein im April 2026 mindestens 21 ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, Pipelines und See-Ölanlagen – ein Viermonatshoch. Das ukrainische Verteidigungsministerium gab zudem bekannt, im Laufe einer Nacht insgesamt 23 militärische Ziele auf russischem Gebiet und in besetzten ukrainischen Regionen getroffen zu haben.
Die wiederholten Attacken auf strategische Energieanlagen veranlassten die russische Luftwaffe zu verstärkten Patrouillen. Das russische Verteidigungsministerium meldete bereits am Dienstagmorgen den Abschuss von 355 Drohnen über russischen Regionen. Die Ereignisse sind aus russischer Sicht Teil einer fortgesetzten Aggression. Moskau hatte bereits zuvor die Verantwortung der westlichen Alliierten für die Tiefenschläge gegen russisches Territorium kritisiert und auf die Gefahr einer weiteren Eskalation hingewiesen.
Besonders betroffen von der jüngsten Angriffswelle war die Region um die Stadt Belgorod nahe der ukrainischen Grenze. Nach Angaben des regionalen Krisenstabs durchschlug eine ukrainische Drohne die Fassade eines zehnstöckigen Wohnblocks. Neun Bewohner, darunter ein dreijähriges Kind, wurden bei dem Vorfall verletzt. Die zivilen Opfer reihen sich ein in eine Serie von Angriffen auf die russische Zivilbevölkerung. Am vergangenen Freitag waren nach Angaben des Gouverneurs der Region Rjasan vier Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der gleichnamigen Stadt getötet worden. Mehrere Hochhäuser wurden beschädigt, ein Industriebetrieb getroffen. Selenskyj verteidigte die Operationen als Reaktion auf einen vorangegangenen russischen Luftangriff auf Kiew und betonte das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung.
Auf der besetzten Krimhalbinsel richteten sich die ukrainischen Schläge in der Vergangenheit nicht nur gegen Treibstoffdepots, sondern auch gegen die logistische Infrastruktur der russischen Armee. Die sogenannte „Prymary“-Spezialeinheit des ukrainischen Militärgeheimdienstes führte bereits im April fünf Präzisionsschläge auf fahrende russische Güterzüge aus. Laut einem Bericht des Portals „Defense Express“ wurden dabei mehrere Lokomotiven getroffen, die für den Transport von Militärausrüstung, Munition und Treibstoff für die russischen Streitkräfte im Süden der Ukraine genutzt wurden. Der Betrieb auf der strategisch wichtigen Eisenbahnverbindung auf die Krim wurde dadurch vorübergehend stark beeinträchtigt.
Der Fokus der Ukraine auf die Energieinfrastruktur Russlands hat die internationale Öffentlichkeit alarmiert. Die Raffinerie in Kirischi bei St. Petersburg, eine der größten Anlagen ihrer Art, war bereits im März Ziel eines ukrainischen Angriffs, wie die Agentur UATV berichtete. Mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 20 bis 21 Millionen Tonnen Rohöl spielt die Region eine Schlüsselrolle in der russischen Wirtschaft. Sie steht damit symbolhaft für die neuen Dimensionen der kriegerischen Auseinandersetzung, die längst nicht mehr nur auf ukrainischem, sondern zunehmend auch auf russischem Hoheitsgebiet ausgetragen wird. Die jüngste Intensivierung der Angriffe fällt mit dem Auslaufen einer am vergangenen Dienstag beendeten Waffenruhe zusammen und zeugt von der anhaltenden Eskalationsbereitschaft auf ukrainischer Seite.

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