Berlin – Die deutsche Wirtschaft erlebt im März 2026 einen unerwarteten Dämpfer. Der Krieg im Nahen Osten, der Ende Februar mit koordinierten US-israelischen Luftangriffen auf Irans Führung begann, hat die Energiepreise massiv steigen lassen und die erhoffte konjunkturelle Erholung empfindlich gestört. Die Inflation ist im März auf den höchsten Stand seit Januar 2024 geklettert, während die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr kräftig nach unten korrigiert haben.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Teuerungsrate im März auf 2,7 Prozent, nachdem sie im Februar noch bei 1,9 Prozent gelegen hatte . Hauptverantwortlich für diesen Anstieg ist die Entwicklung der Energiepreise: Sie verteuerten sich im Jahresvergleich um 7,2 Prozent – der erste Anstieg seit Dezember 2023 . Die Bundesbank warnte bereits in ihrem jüngsten Monatsbericht, dass die steigenden Energiepreise im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt sowohl Unternehmen als auch private Haushalte belasten und die wirtschaftliche Entwicklung in der ersten Jahreshälfte bremsen werden . Sollte der Konflikt länger andauern, drohe die Inflation über längere Zeit erhöht zu bleiben. Der Ifo-Preiserwartungsindex sprang im März auf 25,3 Punkte – den höchsten Stand seit drei Jahren .
Die konjunkturellen Aussichten haben sich innerhalb weniger Wochen merklich eingetrübt. Die faktische Blockade der Straße von Hormus durch die Kampfhandlungen hat die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe getrieben und belastet sowohl die Produktionskosten der Industrie als auch die Budgets der privaten Verbraucher . Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) senkte seine Wachstumsprognose für 2026 von ursprünglich 1,0 Prozent auf nur noch 0,7 Prozent . Das Ifo-Institut korrigierte seine Erwartung von 1,0 auf 0,8 Prozent, während das RWI von 1,0 auf 0,9 Prozent zurückging . Besonders deutlich fiel die Revision am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) aus: Statt einem Prozent erwarten die Forscher dort für 2026 nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent . Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält zwar an seiner Prognose von 1,0 Prozent fest, räumt aber ein, dass der Iran-Krieg die Erholung um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpft .
Die wirtschaftliche Schwäche spiegelt sich auch in den Bilanzen der größten deutschen Unternehmen wider. Der Gesamtumsatz der Dax-Konzerne sank 2025 bereits das dritte Jahr in Folge – um 0,6 Prozent . Besonders schwach verlief das vierte Quartal mit einem Umsatzminus von 3,3 Prozent und einem Rückgang des operativen Gewinns um 14 Prozent. In wichtigen Auslandsmärkten wie Nordamerika und Asien brachen die Umsätze um vier beziehungsweise neun Prozent ein. Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY, kommentierte die Bilanz als „äußerst bescheiden“ und sieht keine baldige Trendwende . Während die Finanzbranche dank gestiegener Zinsgewinne einen Rekordgewinn erzielte, musste die Industrie – insbesondere die Autobranche – erhebliche Einbußen hinnehmen. Rheinmetall und MTU Aero Engines profitierten dagegen von der Rüstungskonjunktur und verzeichneten zweistellige Wachstumsraten .
Bundesbank und Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor einer weiteren Verschärfung der Lage, sollte der Iran-Konflikt andauern. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins zuletzt bei 2,00 Prozent belassen, beobachtet die Inflationsrisiken jedoch genau . Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte eine Zinserhöhung wieder auf die Tagesordnung kommen. Die Bundesregierung hat unterdessen erste Maßnahmen zur Dämpfung der Spritpreise beschlossen: Ab dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen . Ob diese Regelung ausreicht, um die Verbraucher zu entlasten, bleibt abzuwarten. DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik zeigte sich zumindest vorsichtig optimistisch: „Wenn wir davon ausgehen, dass der Höhepunkt der Energiepreissteigerungen bereits erreicht ist, bremst der Iran-Krieg die Erholung der deutschen Wirtschaft damit zwar etwas, stoppt sie aber nicht“ .

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