Washington – Ein eiskalter April geht zu Ende, und US-Präsident Donald Trump steckt mitten im politischen Frühling seiner tiefsten Krise. Der Iran-Krieg, eine angespannte Wirtschaftslage und eine Reihe vernichtender Umfragen haben seine Regierung in Bedrängnis gebracht. Verstärkt wird der Druck durch die ersten konkreten Wahlkampfsignale für die entscheidenden Midterm-Wahlen im November, bei denen der Ausgang des Iran-Konflikts eine Schlüsselrolle spielen könnte.
Die aktuelle CNBC-Umfrage vom 24. April liefert alarmierende Zahlen: Nur noch 40 Prozent der US-Bürger unterstützen Trumps Politik, 58 Prozent lehnen sie ab. Besonders im Bereich der Wirtschaftspolitik ist das Urteil der Wähler vernichtend. Missmanagement der Inflation, steigende Benzinpreise durch den Krieg und Belastungen durch die Zollpolitik haben Trumps wirtschaftliche Kernkompetenz in eine Hypothek verwandelt.
Unterschiedliche Institute zeichnen ein ähnlich düsteres Bild. In einer Umfrage von AP-NORC sank Trumps allgemeine Amtszufriedenheit auf 33 Prozent, die Zustimmung zu seiner Wirtschaftspolitik sogar auf nur 30 Prozent. Umfragen von Reuters/Ipsos, Economist/YouGov und Fox News bestätigten diesen Abwärtstrend, wobei Trumps Zustimmungswerte teils auf bis zu 32 Prozent fielen. Selbst in der republikanischen Basis bröckelt die Unterstützung: Die Zustimmung unter republikanischen Wählern fiel von frühen 80 auf etwa zwei Drittel. Insbesondere unter Nicht-MAGA-Republikanern sind nur noch 44 Prozent für Trump. Die Netto-Zustimmung des Präsidenten sackte auf minus 18 Punkte – der niedrigste Wert, der je für eine seiner beiden Amtszeiten gemessen wurde.
Hauptgrund für die schlechten Werte ist der andauernde Iran-Krieg und dessen wirtschaftliche Folgen. Der Konflikt mit der Islamischen Republik hat die Weltölpreise explodieren lassen – die Benzinpreise in den USA erreichten bereits Anfang April fast vier Dollar pro Gallone. Mit der faktischen Schließung der Straße von Hormus durch iranische Revolutionstruppen bleiben die Preise hoch. 70 Prozent der Amerikaner fordern laut einer aktuellen Umfrage ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen. 58 Prozent lehnen den Krieg ab.
Die wirtschaftliche Realität ist dabei widersprüchlich: Während die Stimmung in der Bevölkerung am Boden ist, feiert die Wall Street aktuell Rekorde. Der S&P 500 ist seit Ende März um 12 Prozent gestiegen, der technologielastige Nasdaq gewann mehr als 17 Prozent hinzu. Die ersten Quartalszahlen der Unternehmen übertrafen die Erwartungen. Die Aktienmärkte und die reale Wirtschaft scheinen sich derzeit zu entkoppeln – die Zahl der Unternehmen, die über Entlassungen berichten und weniger ausgeben, nimmt zu.
Präsident Trump setzt im Nahen Osten voll auf eine Eskalation des diplomatischen Drucks, während das US-Militär parallel neue Pläne zur Zerstörung iranischer Fähigkeiten in der Straße von Hormus entwickelt, sollte die aktuelle Waffenruhe scheitern. Die fragile, mehrfach verlängerte Waffenruhe zwischen den USA und Iran sowie Israel und der Hisbollah hält nach über 50 Tagen Krieg an. Am 24. April reisten Trumps Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner zu neuen Gesprächen nach Pakistan. Außenminister Abbas Araghtschi reiste bereits aus Teheran an.
Trump zeigt sich im Umgang mit Teheran ungeduldig. Medienberichten zufolge soll er dem Regime nur noch wenige Tage für eine Einigung geben. „Sie werden ein Angebot machen, aber wir müssen es uns ansehen“, sagte Trump in einem Telefonat mit Reuters. Zuvor hatte er erklärt, man wisse nicht mehr, wer in Teheran wirklich das Sagen habe. Am 23. April stellte Trump klar, dass ein Atomwaffeneinsatz im Konflikt tabu sei („selbst die Frage danach sei dumm“) – nachdem er Anfang April auf Truth Social geschrieben hatte: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen“.
Die Unterstützung wird auch durch die juristischen Verwicklungen des Präsidenten nicht einfacher. Am 11. April 2026 wurde Trump in New York wegen 34-facher Urkundenfälschung zu einer „unconditional discharge“ verurteilt (der mildesten möglichen Strafe, die die Schuldsprüche bestätigt). Das Weiße Haus strebt inzwischen eine vollständige Aufhebung des Urteils im Berufungsverfahren an.
Mit Blick auf die entscheidenden Midterm-Wahlen zeichnet sich ab, dass die Abstimmung im November zu einem kritischen Referendum über Trumps gesamte Amtszeit werden könnte. Das Szenario, dass Demokraten Ende 2026 eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erreichen könnten, gilt unter Beobachtern als wahrscheinlich. In mehreren Schlüssel-Senatswahlen, etwa in Alaska und New Hampshire, liegen demokratische Herausforderer in aktuellen Umfragen knapp vor ihren republikanischen Amtsinhabern. Die Republikaner halten derzeit 53 der 100 Senatssitze; für eine demokratische Mehrheit wäre ein Nettogewinn von vier Sitzen erforderlich.
Die Chancen einer Rückeroberung des Senats sind für die Demokraten geringer, aber durchaus vorhanden. Einige traditionell republikanische Bundesstaaten wie Iowa sind in dieser Wahlperiode umkämpft. Trumps schlechte Umfragewerte und die anhaltenden wirtschaftlichen Sorgen der Wähler könnten den Republikanern besonders in den Vororten schaden, wo viele moderate Wähler leben.
Die Stimmung in der Bevölkerung ist gedrückt. 60 Prozent der US-Bürger sind mit der Wirtschaftspolitik unzufrieden, viele machen steigende Energiepreise dafür verantwortlich. Im ganzen Land breiten sich extreme Dürren aus, die zu großen Waldbränden führen. Die Unsicherheit über die Lage im Nahen Osten hält an. Während Trump auf dem Weg nach Pakistan das Timing der Verhandlungen bestimmen will, bleibt die innenpolitische Rechnung für den Präsidenten eine andere: Der anhaltende Krieg, der wirtschaftliche Druck und die politische Erosion bedrohen seine Handlungsfähigkeit – und werden zunehmend zur größten Hypothek für seine zweite Amtszeit.

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