Kiew – Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf militärisch bedeutsame Ziele in den von Russland besetzten Gebieten und auf russischem Territorium in den letzten Tagen intensiviert. Im Fokus stehen vor allem Treibstofflager, Logistikknotenpunkte und Luftverteidigungssysteme, die für die russischen Versorgungslinien und den Schutz des Hinterlandes essentiell sind. Die Operationen sind Teil einer strategischen Kampagne, um die russischen Nachschubwege zu stören und die Verteidigungsfähigkeit des Gegners zu schwächen.
Angriffswelle auf Noworossijsk
In der Nacht zum 2. März 2026 erschütterten Explosionen die russische Schwarzmeerstadt Noworossijsk. Ukrainische Drohnen griffen gezielt das Ölterminal Schescharis an, eines der größten Umschlagzentren für Öl und Erdölprodukte in Russland . Nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU wurden dabei zwei Luftabwehrsysteme, mehrere Kriegsschiffe und sechs der sieben Öltanker des Terminals getroffen . Der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, bezeichnete den Angriff als den „mächtigsten Schlag“, der Noworossijsk je getroffen habe, und verhängte den Ausnahmezustand über die Stadt . Fünf Menschen wurden nach offiziellen russischen Angaben verletzt, mindestens 17 Häuser und eine Kindertagesstätte wurden beschädigt . Die Angriffe auf das Schescharis-Terminal sind Teil einer wiederholten Kampagne; bereits im November 2025 hatte ein ukrainischer Angriff die Ölexporte aus dem Hafen für über einen Monat lahmgelegt .
Schläge gegen besetzte Gebiete und Radarstellungen
Parallel zu den Angriffen auf Noworossijsk weiteten ukrainische Einheiten ihre Operationen auf die besetzten Gebiete aus. In der Nacht zum 4. März trafen ukrainische Streitkräfte ein Munitionslager bei Nyschnja Krynka sowie ein Logistiklager bei Tschystjakowe im besetzten Teil der Region Donezk . Ebenfalls getroffen wurde eine Bodenstation zur Steuerung von „Geran“- und „Gerbera“-Angriffsdrohnen nahe Tschornomorske auf der von Russland besetzten Krim . Die ukrainischen Streitkräfte griffen zudem Konzentrationen russischen Personals am Rande von Beresowe in der Region Dnipropetrowsk und nahe Pokrowsk in der Region Donezk an .
Bereits am Vortag, dem 3. März, hatten ukrainische Einheiten eine Serie von Angriffen auf russische Luftverteidigungssysteme durchgeführt. Getroffen wurde eine Radarstation, die zu einem S-300-Luftabwehrsystem gehört, in Tytariwka im besetzten Gebiet Luhansk . Ebenfalls beschädigt wurden ein Sopka-2-Radar zur Luftzielerkennung und ein 39N6 Kasta-2E2-Radar auf der Krim . Diese Angriffe zielen darauf ab, die russische Luftverteidigung zu blenden und den Weg für weitere, tiefer in feindliches Gebiet eindringende Drohnenangriffe zu ebnen .
Strategische Einordnung: Systematische Schwächung des Gegners
Die jüngsten Angriffe sind Teil einer strategischen Neuausrichtung der ukrainischen Kriegsführung. Seit Monaten setzt Kiew verstärkt auf weitreichende Drohnen- und Raketenangriffe, um russische Logistik, Treibstoffinfrastruktur und Luftverteidigung zu zermürben . Laut dem ukrainischen Generalstab dienen diese Operationen dazu, das „militärökonomische Potenzial und die Luftverteidigungsfähigkeit des russischen Aggressors zu reduzieren“ .
Die russischen Zahlen spiegeln die zunehmende Intensität der ukrainischen Drohnenangriffe wider. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden allein in der Nacht zum 2. März 172 ukrainische Drohnen abgeschossen . Die Behörden in Moskau behaupten stets, alle Drohnen abgefangen zu haben, doch unabhängige Beobachter und ukrainische Quellen widersprechen dieser Darstellung regelmäßig . Ukrainische Militärquellen berichten, dass viele Drohnen eine Route über das offene Schwarze Meer nehmen, um die russischen Luftabwehrsysteme auf der Krim zu umgehen .
Die Bilanz des Winters zeigt die Dimension des Drohnenkrieges: Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj setzte Russland seit Dezember fast 19.000 Kampfdrohnen, mehr als 14.670 Gleitbomben und 738 Raketen gegen die Ukraine ein . Die ukrainische Rüstungsindustrie hat ihre Produktion seit Kriegsbeginn verfünfzigfacht und erreicht nach Schätzungen ein Produktionsvolumen von etwa 50 Milliarden Dollar . „Wir haben diesen Winter überstanden. Die Ukrainer haben auch das überwunden“, bilanzierte Selenskyj .




